8.Kapitel


Eric verließ das Krankenhaus und hinkte zum Parkplatz. Es waren nicht mehr so viele Autos hier. Samstagabend arbeitete nur noch die Nachtschicht, jene Schwestern und Pfleger, die ein Auge auf die Patienten werfen, während der Krankenhausbe­trieb nur noch bis auf das Notwendigste heruntergefahren wird. Selbst das Licht in der Notaufnahme wird gedimmt, gerade so, als ob niemand schlafende Hunde wecken will. Ein Mann grüßte Eric von weitem. Erkennen konnte er ihn nicht. Es war schon lange dunkel geworden. Nur das Schlürfen des Schuhs schallte über den Platz. Die Autotür knallte zu und der Motor heulte auf. Die Scheinwerfer bestrahlten die angrenzenden Büsche, bald kehrte auch hier Ruhe ein.

Eric arbeitete oft sehr lange, manchmal auch am Wochen-ende. Aber er freute sich auch auf sein Zuhause. Es machte ihm Spaß, sein Heim neu zu gestalten, den Garten zu pflegen oder in den alten Gemäuern herumzustöbern.

Er liebte die Vögel in seinem Hof unter dem Baum. Oft zeichnete und malte er sie auch. Er rahmte dann die hübschen Bilder, meist Aquarelle, und verteilte sie in seiner Wohnung. Besonders am Wochenende nahm er sich viel Zeit für seinen Hof und den Garten. Im Winter fiel weniger Arbeit an, doch Eric wusste sich zu beschäftigen.

Seine besondere Liebe galt der Herstellung von Holz-skulpturen. Er besaß eine Werkstatt gleich neben dem Wohnhaus. Eine alte Holztür verband die beiden Bereiche miteinander. Sie könnte ein Original aus der Zeit sein, als der Hof noch funktionierte. Selbst die rostigen Scharniere waren getreu.

Die Werkstatt wirkte auf den ersten Blick etwas unordentlich, aber alles hatte seinen eigenen Platz und Sinn. Die Plastiken wurden aus größeren Holzstücken hergestellt, zersägte Baum­stämme, große und kleinere. Mit feinsinniger Sorgfalt schnitzte er jedes Detail. Meistens waren es Gesichter, die er anfertigte. Sein Gesicht. Kein Zweifel, er entwarf sein Gesicht, seinen Kör­per, aber ohne jeglichen Makel. So müsste er aussehen, hätte er nicht diese Vergangenheit erfahren.

Sicherlich dachte er schon oft an Schönheitsoperationen. Ein paar hatte er auch über sich ergehen lassen und unzählige Trans-plantationen. Kurz um, Eric fand sich damit ab. Eine OP mehr oder weniger, er wird nicht so aussehen, wie er es sich wünschen würde. Zuviel Schmerz, zu wenig Zeit, sich auf andere Sachen zu konzentrieren, das waren seine Gründe. Er fand ein Leben, mit dem er sich anfreunden konnte.

Nun, wenn er seinen Arbeitstag beendete, ging er in sein Ate­lier und machte sich über das Holz her. Diesmal war es aber nicht sein Körper, den er phantasievoll gestaltete, sondern der einer Frau. Er beschaute genüsslich die angefangene Skulptur und erfreute sich ihrer Schönheit. Er gab ihr halblange Haare, große kluge Augen und einen lebendigen, aber dennoch trauri­gen  Gesichtsausdruck. Ihre Schultern wurden vom Haar nur leicht berührt, als ob ein kleiner Windhauch vorbeiziehen würde. Ihre Brüste waren wohlgeformt, die Rippen wölbten sich leicht aus dem Körper, und der Bauch war flach, geziert vom Nabel, in dem nur ein halber Fingerhut voll Wasser Platz hätte. Zu den Händen und Beinen würde er noch kommen. Ein leichter Poan­satz war zu vermuten. Der Rücken war lang, fast dürr und das geschwungene Rückgrad deutlich zu erkennen.

Seine Hände berührten ihr Gesicht, streiften über die Haare entlang der Schulterblätter, langsam, ganz langsam den Rücken hinunter. Sein Blick galt mal dem Gesicht mal den Brüsten und der kleinen Vertiefung am Hals. Er ließ von ihr ab und wandte sich zu sich selbst. Mit beiden Händen berührte er seinen Brust­korb, knöpfte sein Hemd auf, fuhr über die zerfurchte Haut, bis er sich im gegenüber hängenden Spiegel entdeckte. Er erschrak, schob energisch das unvollendete Kunstwerk von sich, so dass es langsam umstürzte. Erschrocken bückte er sich zu ihr, begut­achtete sie und war erleichtert, als er feststellte, dass sie unver­sehrt geblieben war. Dann trug er den Spiegel aus der Werkstatt über den Hof in einen alten Schuppen. Ein Vogel, den der Schlaf noch nicht heimsuchte, flatterte aufgeregt in die Luft, zwitscherte ihm Unbehagen entgegen und war für eine Weile nicht mehr zu sehen. Danach setzte Eric seine Arbeit an ihr fort.

Sie war die größte Skulptur von allen. Vermutlich würde er noch viel Zeit benötigen, um sie fertigzustellen. Er hatte noch weitere, aber kleinere Figuren ein und derselben Frau erschaffen. Diese bewahrte er allerdings in einer verschlossenen Truhe auf, keine stand in seiner Wohnung. Sie waren alle zum Glänzen aufpoliert und voller Lebendigkeit. Manche waren nackt, andere wiederum bekleidet. Eine saß auf einer Bank, ähnlich wie die draußen im Hof. Eine weitere hielt ein Vögelchen in den Hän-den. Es steckte so viel Freundlichkeit und Liebe in ihnen. Nur die große, fast lebensechte sah unglücklich aus. Eric schnitzte noch eine kleine Weile und bearbeitete ihren Po. Er wäre wohl erst zufrieden, wenn er sie vollendet hätte.

Die Müdigkeit überkam ihn nun doch. Er legte sein Werkzeug nieder, schaltete das Licht aus und schlug die Tür hinter sich zu. Im Badezimmer bereitete er sich für die Nacht vor. Sein Hemd war immer noch geöffnet und für einen kurzen Moment dachte er an die Begebenheit in der Werkstatt. Traurig sah er aus. Kum­mer machte sich in ihm breit. Kurzentschlossen verschloss er sein Hemd wieder, zog die robusten Winterstiefel an, schnappte seine mit Lammfell gefütterte Lederjacke und eilte aus seinem Haus in die ausgekühlte Nacht.

Sie war die größte Skulptur von allen. Er hatte noch weitere, aber kleinere Figuren ein und der selben Frau erschaffen. Die bewahrte er allerdings in einer verschlossenen Truhe auf, keine stand in seiner Wohnung. Sie waren alle zum Glänzen aufpoliert und voller Lebendigkeit. Manche waren nackt, andere wiederum bekleidet. Eine saß auf einer Bank, ähnlich wie die draußen im Hof. Eine weitere hielt ein Vögelchen in den Händen. Es steckte so viel Freundlichkeit und Liebe in ihnen. Nur die große, fast lebensechte sah unglücklich aus. Eric schnitzte noch eine kleine Weile und bearbeitete ihren Po. Er wäre wohl erst zufrieden, wenn er sie vollendet hätte.

Die Müdigkeit überkam ihn nun doch. Er legte sein Werkzeug nieder, schaltete das Licht aus und schlug die Tür hinter sich zu. Im Badezimmer bereitete er sich für die Nacht vor. Sein Hemd war immer noch geöffnet und für einen kurzen Moment dachte er an die Begebenheit in der Werkstatt. Traurig sah er aus. Kummer machte sich in ihm breit. Kurzentschlossen knöpfte er sein Hemd wieder zu, zog die robusten Winterstiefel an, schnappte seine mit Lammfell gefütterte Lederjacke und eilte aus seinem Haus in die ausgekühlte Nacht. Aus dem Schuppen holte er ein altes Fernglas und eine Taschenlampe. Er öffnete einen Spalt weit das große Tor und schlich hindurch. Der dünne Lichtkegel deutete ihm den Weg. Er kannte ihn soweit. Nur das kleine Waldstück noch, dann wird er da sein.